5
floskeln sind ne tolle sache. fast so wie rituale und reflexe. man muss nicht groß überlegen, was man sagen soll, man greift einfach auf einen bestand an einfachen und bewährten sätzen zurück, die man dem gegenüber dann aufgewärmt und mit nem sträußchen petersilie serviert: wie sheba, zwar konserve aber so-tun-als-ob-frisch. manchmal dienen solche floskeln dazu, einen langen gedankenprozess abzukürzen, an dessen ende vielleicht etwas unangenehmes rauskommen könnte oder die unterhaltung einfach in die länge gezogen werden würde, was vielleicht in dem moment unerwünscht ist. das beste beispiel für diese art floskeln ist das wunderbare fränkische “bassd scho”. ich weiß garnicht, wie oft ich in den letzten tagen (oder wochen? monaten?) auf die (mehr oder weniger ernst gemeinte) frage “und, wie geht’s?” (ist ja eigentlich auch nicht mehr als ne floskel, oder ne rhetorische frage, weil es soll schon vorgekommen sein, dass es garnicht interessiert, wie’s denn geht, aber weilma sonst nix zu sagen hat, das wetter auch nicht viel hergibt oder bei einem zufälligen treffen im h&m die frage “und, was machst grad so?” ziemlich überflüssig ist einfach grad nichts anderes fragbar scheint) (kann mir eigentlich grad noch jemand folgen ob der ganzen klammern? ja das interessiert mich wirklich aber ich würd’s trotzdem net ändern, wenn dem net so wäre, müsster halt nochmal nachlesen) mit einem tiefen luftholen und einem “bassd scho” im brustton der überzeugung geantwortet habe. wurde immer geschluckt und die wahrheit wär vermutlich weniger zufriedenstellend.
ne andere, bei mir sehr beliebte floskel (vor allem in den letzten tagen) ist “wir können ja ma nen kaffee trinken gehen”. eigentlich ne harmlose floskel, wenn man mal ignoriert, dass ich wohl der seltenste kaffee-trinken-geher in ganz bamberg bin. ich trink daheim tassenweise der braunen freude und so gut wie meiner schmeckt er nirgendwo sonst
außerdem gibt’s seltenst wo espresso mit nutella oder milchmädchen und im grunde bin geizig. was kaffeefremdgehen angeht. also ihr dürft gern alle hier auf literweise kaffee vorbeikommen (oder zig teesorten), aber mich in ein kaffee cafe zu setzen und kaffee zu trinken… da kamma nix machen (wunderbare redewendung). ich weiß nicht woran’s liegt, in erlangen oder im urlaub würd ich das jederzeit eher machen, aber irgendwas hält mich in bamberg gänzlich davon ab. das liegt weniger an den cafes (wobei mir im moment keins einfällt, in das ich wirklich sehr gerne geh) und auch nicht an der gefragten oder fragenden begleitung. ich nehm auch gern nen kaffee beim bäcker mit und flaniere oder setz mich an den kranen oder sonstwas. aber in ein kaffee setzen? das harmoniert nicht mit mir. was natürlich in dem moment problematisch wird, in dem die frage bzw. die aufforderung nach kaffeetrinken meine stimmbänder zum klingen gebracht und meinen mund verlassen hat.
liebe mädels, die diesen satz in den letzten wochen von mir zu hören bekommen haben: ich mein das nicht bös und ich würd liebendgerne zeit mit euch verbringen, wo auch immer und wann auch immer und von mir aus bei literweise kaffee! aber die wahrscheinlichkeit, dass wir gemeinsam im müller, hofcafe oder cador nen kaffee trinken gehen werden, geht gegen null. aber da jetzt die stade zeit beginnt, kömma uns ja gerne mal auf nen glüh treffen! bei mir, oder so
bussi baba, floskelpaule
















