Neulich kam mir der Gedanke, dass, wenn das Märchen “Rapunzel” meine Schwangerschaft zugrunde liegen hätte, das arme Mädchen nicht nach einem leckeren Gemüse benannt worden wäre, sondern wohl “saures Gummibärchen” geheißen hätte.
Denn obwohl ich die “na, schon saure Gurken mit Nutella gegessen”-Frage wohl (für diese Schwangerschaft) endgültig mit “nein” beantworten kann, ist an der sauer-Komponente anscheinend was dran. Seit ziemlich am Anfang hatte ich großen Appetit auf Säuerliches: Joghurt, Schokojoghurt, Grapefruit, Zitronensaft, Risotto mit Zitrone, Salat mit Essig und Zitrone… gegipfelt ist das dann in sauren Gummischnüren, von denen ich die erste Tüte fast inhaliert hab. Inzwischen ist es mit Vorliebe der Bizzl-Mix aus Fürth, da die Auswahl an gelatinefreien Gummiartikeln zwar nicht riesig ist, aber netterweise immer größer wird. (Und es wird inzwischen immer leichter, gut von böse zu unterscheiden, da mehr und mehr Firmen “veggie” oder “vegan” schon vorne auf die Tüten schreiben. Aber das nur am Rande.)
Mit seltsamen Gelüsten hatte ich ja gerechnet, mich eigentlich sogar schon drauf gefreut (den Mann nachts zur Tanke schicken weil man UNBEDINGT Nachos mit Nutella braucht). Aber nix, bis auf die Gummischnüre, die ich in einem Moment UNBEDINGT brauchte und die ich kurze Zeit später auch bekam.
Womit ich aber nicht gerechnet hatte war die plötzliche und vehemente Ablehnung von Sachen, die ich vorher so gern gegessen hatte. Begonnen hat alles mit dem “Käsezwischenfall”. Kurze Zusammenfassung: Käserest sollte auf Brot in der Mikro zum Schmelzen gebracht werden. Moral von der Geschicht: Wenn im Internet steht, dass der Käse “durch die besondere würzige Note […] WENIGER zum Kochen” geeignet ist – dann meinen die damit, dass er eher für besonders perfide Kriegsführung gedacht ist.
Das war kurz vor Ostern und seitdem hatte (und habe) ich eine tiefe Abneigung gegen geschmolzenen Käse. Schon die Vorstellung einer Pizza trieb mir die Tränen in die Augen, wenn der Mann irgendwas mit Käse Überbackenes aß, musste ich den Raum verlassen und beim (vegetarischen) Mittagsbuffet war die Auswahl dann doch recht beschränkt (kein geliebter Käsesalat mehr, kein Traube-Käse-Nuss-Salat, Pizza, Gratin, Lasagne…).
Ich hatte mich gedanklich schon von Pizzen und allem Guten für die nächsten Monate verabschiedet (nicht mal kalte Käsewürfel gingen mehr), als ich ZUM GLÜCK herausgefunden hab, dass ich nur keinen geschmolzenen GELBEN Käse ertragen konnte, Feta und Mozza allerdings schon (ja, natürlich pasteurisiert, nix Rohmilch, alles gut). Aber auch nur in gemäßigten Mengen. Der Pizzaabend ist gerettet und zum Glück geht jetzt, kurz vor dem 6. Monat, auch kalter Käse wieder. Solang er nicht intensiv riecht. Und ja, die Vorstellung einer Pizza komplett mit Käse überbacken ist immer noch zuviel für mich. Und auch mein ganz zu Anfang noch geliebtes Brot mit Bohnenmus, Veggiewurst und Gouda aus der Mikrowelle geht noch nicht wirklich wieder.
Versteh einer die Schwangeren – aber wenigstens fiel mir so der Verzicht auf die geliebte Gorgonzolasoße nicht gar so schwer wie anfangs befürchtet ![]()




