meine Sucht und ich – und mein Projekt für 2018

Hallo, ich bin die paule und ich habe ein veritables Suchtproblem. Andere Nähbegeisterte werden das kennen und verschämt nicken… wobei mich wohl nicht die sonst übliche Sucht in dieser Gruppe trifft.

Nicht die Stoffkaufsucht.

Ich bin schnittmustersüchtig.

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Es gibt einfach zu viele! Und ALLE ANDERS!!! Die dreihundertste Pumphose, jetzt mit Teilung und innovativer Form, die vierzigste Slimfithose, jetzt mit Kniepatches und Fake-Knopfleiste, der drölfzigste Hoodie, jetzt mit neuer Kragenlösung, die man doch so ähnlich schon mal woanders… Ihr seht, ich kann quasi gar nicht anders! Ständig gibt’s irgendwo Sonderpreise, Schnäppchenalarm, 2€-Angebote (oh ja, ich weiß, dass Ihr wisst, was ich meine!). Und dabei sind noch gar nicht die unzähligen Freebooks erwähnt, die quasi täglich aus dem Boden schießen und die ja vielleicht auch eine Daseinsberechtigung haben, weil sie zufälligerweise am Hintern meiner Kinder doch ein bisschen anders, wenn nicht sogar besser… *Schnappatmungsgeräusch*
Dazu die diversen FB-Gruppen, für jeden Stoff, jeden Schnittmusterersteller, jedes Plässierchen! Man wird mit Probenähergebnissen tagtäglich bombadiert, und natürlich ist jeder neue Schnitt DER HAMMER! und SO SCHÖN! Es werden ja NUR perfekt sitzende tolle Schnittmuster produziert, JEDER WEISS DAS!

Und das waren nur die Schnittmuster für Kleidung, es gibt ja noch viel mehr! Accessoires, Spielzeug, Utensilien, Taschen, TASCHEN! Kann man immer brauchen, für jede Gelegenheit, für jedes Outfit, als Geschenk, Himmel hilf!

Speichermedien sind ja geduldig, fast jeder Online-Anbieter richtet bequem eine Ebook-Bibliothek für die gekauften Schnitte ein, Dropbox gewährt mir jederzeit Zugang, aber hab ich nicht auch damals… vor Jahren… auf dem alten Rechner, externe Festplatte… ja, genau, HATTE ich dieses spezielle Schnittmuster nicht schon mal gekauft?!

Und hier seht Ihr mein riesen Problem: Ich hab den Überblick verloren. Ich sammle Schnittmuster, speicher sie an verschiedenen Orten (je nach gerade verwendetem Medium) ab, und wenn ich Zeit, Lust und Anlass habe – dann steh ich da, ich armer Tor und weiß nicht, welche der unzähligen Hosen ich jetzt nähen soll. Oder ich habe im Laden einen tollen Stoff gefunden, weiß aber nicht, wie viel ich davon benötige, weil ich ja natürlich nicht weiß, welchen Pulli für mich ich GENAU daraus nähen werde. Oder doch lieber für die Große?!

Und am Ende blockiere ich mich selbst, nähe nix – und kaufe aus Frust ein neues Schnittmuster, weil das sicher total schön an mir aussieht. Irgendwann. Und es hat Biesen, Biesen hat man ja jetzt.

Ja, unlogisch, unklug, ich nerve mich damit selber und das muss sich ändern. Schon länger denke ich darüber nach, mir ein striktes Schnittmusterkaufverbot aufzuerlegen. Mein Klamottenkaufverbot 2016 lief ja ziemlich gut, es hat mich sogar richtig entspannt, in der Stadt gar nicht mehr in all den Läden kucken zu müssen, was es so Neues gibt. Ich „durfte“ ja eh nix kaufen, was nicht absolut zwingend nötig war.

Und ich denke, ich werde es angehen.
Nicht strikt als Verbot deklariert, denn es gibt Schnitte, die ich noch nicht habe (nein, falsch formuliert, es gibt Kleidungsarten, zu denen ich noch keinen Schnitt habe: Bluse oder Shirt aus Webware z.B. oder ein Softshellmantel für mich). Aber ich will erst mal einen Überblick über alle vorhandenen Schnittmuster bekommen. Sie sortieren. Alle z.B. in die Dropbox packen. Außerdem z.B. bei Evernote archivieren mit Bild, verschlagwortet, im akuten Nähanfall leicht auffindbar. Und sie auch mit Notizen zu versehen, wenn ein Schnitt einfach nicht passt oder geändert werden muss.
Und ich will versuchen, jeden Schnitt im kommenden Jahr zumindest einmal genäht zu haben.

Haha, ja, das ist völlig aussichtslos, und ganz ehrlich: Welches meiner Kinder soll die zehn Pumphosen tragen, wenn meinen beiden Kindern eigentlich keine Pumphosen stehen? Aber vielleicht wird es dann Zeit, sich von diesen zu trennen, damit ich nicht immer wieder drüber stolpere und sie meinen kreativen Schaffensprozess behindern?!

Aber wenn ich mich zwinge, die vier Damen-Pullis, die sicher hier irgendwo in der Dunkelheit der Datenspeicher lauern, auch mal zu nähen – dann WEIß ich endlich genau, welcher mir passt, steht und welchen ich dann beim nächsten Anfall von „ich brauch dringend einen Hoodie!“ nähen kann. Und zwar sofort, ohne langwieriges Suchen, Abpausen, ohne Abmessen, ohne überlegen. Dann weiß ich, wieviel Stoff ich brauch, welcher Stoff geeignet ist, und ich kann loslegen. Und genau dieses Gefühl fehlt mir gerade soooo sehr. Versteht Ihr mich?

In den nächsten Wochen will ich also einen Fahrplan für mein Schnittmusterfasten aufstellen. Bis wann ich aufgeräumt, ausgemistet, archiviert haben will, welche Schnitte ich im Lauf des Jahres, vielleicht sogar pro Monat, nähen will, aber auch, welche Art von Schnitten ich mir erlaube, weil sie hier einfach noch fehlen. Und glaubt mir: Hosen sollten da eigentlich nicht drunter sein 😉

Mag jemand mitmachen? Dann mach ich das Ding größer, so mit Bild und Verzicht-along  :-) , wir könnten uns motivieren, uns unsere Archivierungssysteme zeigen, unsere Projekte, Erfahrungen… wär sicher schön :-)

Aber jetzt entschuldigt mich. Bei Makerist läuft grad die 2€-Aktion. Und ich hab gehört, dass nächstes Jahr hier eine gewisse Durststrecke eintreten könnte…

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