Kind spricht – Hummibällchi und Einhörnchen

Seit ich denken kann, erzählen meine Eltern über mich (neben vielen anderen natürlich) die Geschichte, wie ich mit 2 oder 3 mal meinte: „Gell, Mama, ich kann schon richtig gut mitreden!“ Denn ich habe sooo viel geredet. Ach, hätte ich viel geredet! Den ganzen Tag. Ohren blutig, quasi. Tagaus, tagein. Die kleine paule redet. Erzählt. Schwadroniert, auch mal mit seltsamer Wortwahl („keine Angst, meine Teuerste…“), auf jeden Fall: viel.

Das ist meine Geschichte.

Seit kurzem endet diese Geschichte immer mit „…aber die Fine übertrifft Dich noch!“

Glaub ich gern, denn es ist schwer vorzustellen, dass irgendein Kind auf dieser Welt noch mehr redet und erzählt als unsere geliebte Tochter. Andere Mütter in der Kita und natürlich auch ihre Erzieherinnen sind oft richtig baff, wie viel, klar, deutlich und gut sie schon spricht. Und viel, vor allem. Von welcher Wortanzahl ist immer die Rede, die angeblich eine „normale“ Frau am Tag von sich gibt? 5.000? 10.000? Egal, die bezaubernde Fini schafft das noch vor dem Mittagessen.
Wenn sie nicht gerade redet, singt sie. Und sie kennt verdammt viele Lieder, inzwischen auch Bodo mit dem Bagger. In Endlosschleife. „Baggabaggabaggabaggabaggaloch. Baggabaggabaggabaggabaggaloch. Baggabagga Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motooooorrad…“

Versteht mich nicht falsch, ich will mich nicht wirklich beklagen! Vor einen Jahr, als sie in die Kita kam, hätte ich sie ohne Zweifel als Late Talker bezeichnet! Bis knapp 2 kam nicht viel mehr als Mama, Papa, Oma, Opa, Miau, Ja, Nein, mehr! aus ihr raus.
Ich würde nur gern mal einen Gedanken zu Ende denken können, wenn sie daheim ist! Aber das ist schier unmöglich, weil sie uns auch ständig direkt anspricht (oder ansingt). Beispiel? „Mama, was ist des?“ – „das ist eine Tasse.“  – „Wie heißt Tasse?“ – „Na TASSE!“ – „Wie heißt Tasse?“ -… behaltet da mal die Nerven. Ich weiß bis heute übrigens nicht die richtige Antwort auf die Frage.
Oder ganz aktuell: „Wierum???“ Ja, das klingt süß, diese Mischung aus Warum und Wieso. Die ersten, na, sagen wir 3.000 Mal. Dann verliert es an Reiz. Besonders an Tage, an dem ALLES wierumisiert wird. „Mama, was gibt’s zu Essen?“ – „Pizza“ – „Wierum?“ …. „Mama, was machst Du?“ – „Abendessen, ich belege die Pizza, weil wir Pizza zum Abendessen machen wollen, weil wir die gern essen, du magst Pizza“ (ihr seht, nur keine Chance lassen, dass etwas hinterfragt werden muss) – „Wierum?“ AAAARRRRGGGGHHHH! Auch toll: „Mama, darf ich noch einen Keks?“ – „na okay“ – „Wierum?“ Ihr entschuldigt mich, ich muss kurz schreien.

Das Thema „Mama, was machst Du?“ ist eh son Ding. Die Frage kommt meist, wenn sie müde ist, auf dem Sofa hockt, fern sieht und ich in der Küche koche. Gern kommt die Frage minütlich, trotz minütlicher Antwort meinerseits. Denn: sie hört mir dann gar nicht zu! Fragt aber trotzdem. Glaubt mir, ich hab’s getestet: „Mama, was machst Du?“ – „Ich füttere Einhörner“….. „Mama, was machst Du?“

Die Sprachexplosion und Sprachentwicklung bringt aber auch so viel Schönes mit, ich zergehe ja fast täglich, wenn sie neue, grammatikalisch korrekte und interessante, kluge und lustige Sätze sagt. Wenn ich sehe, wie sie sich anstrengt, nachdenkt, Pausen macht, weil ihr das richtige Wort nicht einfällt, es ist einfach so unfassbar bezaubernd wie mein Kind spricht! Besonders verliebt bin ich aber in die bissi falschen Wörter, die sie natürlich nach dem Hören spricht. „Hummibällchi“ ist eins dieser Worte, „Gummibärchen“, fast genauso nennt sie sie auch heute, ein halbes Jahr später noch. Oder „Einhörnchen“ bzw. „Einhöansen“ – ich hoffe, dass sie für immer Eichhörnchen so nennt. Möglicherweise bleibt auch „Onkel David“ für immer „Onkel Dabelt“ – oder „Opa Ralf“, denn irgendwie bringt sie die väterliche Patchworkfamilienseite noch ein bisschen durcheinander.

Großartig finde ich auch, wenn sie eigentlich einfache Wörter noch verlängernd umschreibt – warum auch immer! So haben wir im Herbst aus unserem Äpfeln Apfelsaft machen lassen, das hat sie ziemlich beeindruckt. Wenn man sie jetzt also fragt, was sie trinken möchte, kommt mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit „Apfelsaft aus Äpfeln gemacht!“ Das ist jetzt schon einer der Familieninsider, den ich über die Jahre retten möchte.

 

3 Gedanken zu “Kind spricht – Hummibällchi und Einhörnchen

  1. Kontaktgefühl schreibt:

    Hihi. Ich bin hier auch gerade ziemlich beeindruckt von der vielzitierten und nun auch recht spät Einzug gehaltenen Sprachexplosion. Wir sind aber nicht so malträtiert, glaube ich, das Kind quatscht nicht die ganze Zeit ;-). Mein liebstes Wort ist ja gerade „batterieren“: Offensichtlich gibt es nichts, was man nicht wieder mit einer Batterie instand setzen könnte.

    Huch, gerade merke ich, dass ich jüngst auf das gleiche WordPress-Theme gewechselt habe wie Du es hast. Naja, ist halt hübsch, ne 😉

  2. paule schreibt:

    oh hier wird auch ganz viel „batteriert“ 😀 ne zeitlang war der „ballerina-rock“ auch der „batterock“ 😀 große kinderspracheliebe <3

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