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bashing

Posted on : 01-10-2009 | By : paule | In : 2.0, fundstücke, sensationen und andere katastrophen

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ich bin, zugegebenerweise und wen wird es überraschen, ein großer fan des internets. soziale netzwerke, kommunikationsplattformen, blogs – meine welt (aber es gibt definitiv schlimmere als mich!). ich bin begeistert, was man alles GUTES aus dem netz machen kann. und genauso bin ich in letzter zeit immer wieder entsetzt, wie schnell sich ein aggressiver online-mob gegen einzelne personen formiert, die den fehler begangen haben, sich irgendwo in der (medialen) öffentlichkeit schnitzer zu leisten oder einfach so zu sein, wie sie sind.

vor ein paar wochen war dies der fall nach schlag den raab, wo sich der (immerhin von den zuschauern – und damit möglicherweise auch von den späteren hetzern – gewählte) kandidat hans-martin zugegebenerweise seeehr ungeschickt und unsympathisch benahm. ich spare mir eine wiederholung des abends und verweise auf die seiten hier und hier sowie hier. auch ich hab mich zu beginn der sendung (bzw. als hans-martin zu höchstleistungen auflief) abfällig in twitter geäußert, aber das ausmaß, das das ganze im verlauf weniger stunden annahm, fand ich schockierend. so wurde aus hans-martin “hassmartin”, ein twitteraccount gleichen namens wurde kreiert und “beglückte” alle follower im minutentakt mit relativ unkreativen, unwitzigen und unnötigen tweets, die so klingen sollten, als hätte der kandidat sie selbst von sich gegeben. auch andere twitterer sparten nicht an spott und häme. ich glaub, noch vor ende der sendung gab es sogar eine hassmartin-gruppe auf studivz, was ansich nicht verwunderlich ist, schließlich gibt es da für jeden sch**ß inzwischen ne gruppe. aber dass so eine plattform für cybermobbing hergenommen wird und dort sogar ausschnitte aus seiner abizeitung innerhalb kürzester zeit zu finden sind, find ich einfach unglaublich. und obwohl ich hätte wetten können, dass das interesse an h-m so schnell abebbt, wie es aufgekommen ist, war ich doch überrascht, dass man immer noch aktuelle tweets mit dem hashtag #hassmartin findet. ist anscheinend zum geflügelten word für unliebsame zeitgenossen geworden.

das neueste bashing, das mir unangenehm auffällt, ist das gegen den designierten neuen außenminister guido westerwelle. man kann von parteien halten was man will, zum glück haben wir hier eine demokratie und wahlfreiheit und v.a. die auswahl zwischen vielen parteien. aber was meiner meinung nach aller unterstes niveau ist, ist sich unter dem deckmantel der anonymität im internet schwulenfeindlich zu äußern und sich über sprachliche schwächen anderer lustig zu machen. seltsamerweise sind solche postings häufig geschrieben in schlechtem deutsch, gespickt mit rechtschreibfehlern oder einfach voll von schlechtem ausdruck. aber hey, ist das nicht unglaublich lustig, dass guido, der ja anscheinend über nacht zu öffentlichem eigentum ohne ehre und schmerzgrenze geworden ist, vor drei jahren schlecht englisch gesprochen hat und dies anscheinend jetzt auch nicht gern (oder gut) tut? ich wage zu bezweifeln, dass das jeder der lästerer besser könnte. klar, für nen außenminister ist das nicht wirklich günstig und die reaktion auf die englische frage eines journalisten war recht unglücklich, aber wer sagt denn, dass er es inzwischen nicht besser kann oder nicht noch lernen kann? zum glück sind menschen ja lernfähig, was ich im falle der internet-mobber und -basher jetzt auch nur stark hoffen kann. sonst wird das internet noch zu einem rechtsarmen raum bzw. einem raum, in dem die ehre und das wohlgefühl eines anderen menschen nichts mehr wert ist, so lange man anonym und mit einem angestachelten mob im rücken seine fiesigkeiten von sich geben kann.

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