5 Monate–Kurven, Gewicht, Gemüse. Ist ja wie bei Topmodels hier!

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Am Samstag wurde das wundervollste Babymädchen von allen genau 5 Monate alt und in den letzten Wochen ist schon wieder so viel passiert, dass ich die Zeit anhalten möchte, um auch wirklich nichts zu verpassen. Fine verbringt inzwischen fast den ganzen Tag auf dem Bauch – wenn sie nicht gerade im Kinderwagen oder Bondolino mit mir die Stadt entdeckt. Sie dreht sich in Windeseile auf den Bauch, stützt sich mit durchgestreckten Armen hoch und strahlt dabei so über das ganze Gesicht, dass mir ständig das Herz aufgeht. Dabei ist sie so aktiv und fit, dass unsere Krankengymnastin nicht nur jedes Mal verwundert die Augen rieb sondern uns auch prophezeite, dass sie mit 8-9 Monaten wohl laufen dürfte. Ja, wir sind seit ein paar Wochen mit Krankengymnastik und fleißigen Übungen zuhause beschäftigt (ganz wie bei mir früher Smiley ), denn Miss F. hat einen kleinen Sichelfuß. Allerdings machen wir bei dessen Therapie solche Fortschritte, dass heute der nächste Termin gecancelt wurde und wir vermutlich nicht alle verschriebenen Sitzungen benötigen. Nimm das, Sichel! Bei der Gelegenheit erfuhren wir nebenbei, dass es nicht selbstverständlich sei, dass unser Babymädchen jetzt schon seine Füße in den Mund stecken und an den Zehen nuckeln könne. Begünstigend für diesen Fortschritt nannte die Physiotherapeutin die fehlende “Speckbremse” am Bauch – unser kleiner Spargel ist eben ein sehr athletischer Typ.

Was so putzig und hübsch klingt (großes schlankes Mädchen) ist in der Realität leider nicht einfach nur schön. Bei der U4 Anfang März registrierte der Doc schon eine recht geringe Gewichtszunahme und bei der von mir gewünschten Gewichtskontrolle 4 Wochen später waren es wieder nur 300g mehr :-/ In Zahlen heißt das: in den 5 Monaten seit Geburt nur 2kg draufgepackt, das ist zu wenig. Also dem Arzt. Und den beliebten Kurven hinten im U-Heft. Die zeigen nämlich in unserem Fall einen “Absturz” von ganz oben über allem auf irgendwo auf der 25% Perzentile (für die Nicht-Eltern: d.h. 75% aller Babys in ihrem Alter sind schwerer. Klingt unnatürlich verallgemeinernd, weil man ja nicht das Baby persönlich anschaut und Erwachsene ja auch alle unterschiedlich entwickelt sind? Tja, so ist es eben.). So die harten Fakten. Dann schau ich mein putzmunteres Baby an, das viel weiter entwickelt zu sein scheint als viele andere, ältere Babys, ein ständig gutgelauntes Mädchen, das auf keinen Fall halb verhungert scheint und bei dem ich einfach spür, dass das alles so passt! Fast schon eitel Sonnenschein, wär da nicht der mahnende Zeigefinger des Onkel Doktor, der uns ein Kalorienpulver von Nestlé (pfui!) verordnet, das in meine abgepumpte Milch eingerührt werden soll. Da meine Milch von Natur aus nicht gut genug ist. Oder so.

Mamakrise galore!

Was darauf folgte, kann man sich denken: Abpumpen lief nicht, Stillen ging plötzlich auch schief, (gefühlt) dauerhungriges Baby, große Krise gepaart mit schlimmer Erkältung meinerseits führte schnurstracks zur Frage, ob man auch nach 5 Monaten noch Wochenbettdepression haben könne (anscheinend schon). Mein ganzer Stolz, dass ich keine einzige Brustentzündung oder Milchstau hatte, dass Stillen so einfach und schnell und schön ist und ich von mir aus noch ewig lang weiter… all das war plötzlich von einem Tag auf den anderen nicht mehr so, ich fühlte mich, als wär das jetzt vorbei und mein Baby würde mir von der Brust gerissen. Weil ich’s eh nicht richtig machen würde. Großes Geheule, “Kuraufenthalt” bei meinen Eltern, viele heilsame und beruhigende Gespräche mit Mama, Mädels und Online-Clan. Danke dafür!

Und mit meiner Hebamme. Die kam gleich am Tag nach meiner Hilfe-SMS vorbei, um uns die ersten Schritte bei der Breieinführung zu erklären. Und mir nebenbei viele Sorgen und selbstgemachte “Umstände” zu nehmen. Das war wirklich unbezahlbar!
Echt jetzt: Ohne Hebammen können wir das doch alles vergessen! Ich wünsche keiner werdenden Mutter, das alles OHNE eine Hebamme durchzustehen! Mal abgesehen von Vorbereitung und Geburt, das “Danach” kann noch viel krasser sein! Denkt an meine Worte, wenn mal wieder ne Petition wegen der Versicherungsproblematik Euren Weg kreuzt.

Brei oder nicht Brei, das bleibt hier die Frage…

In den letzten Tagen der Schwangerschaft stolperte ich zum ersten Mal über BLW, Baby Led Weaning. Eigentlich nur ein Begriff für etwas, was schon ewig existiert, mal in Vergessenheit gerät, ganze Generationen lang ganz natürlich praktiziert wird und jetzt wohl grade “in” ist. Breifreie, durch das Baby selbst gesteuerte Einführung fester Kost. (Meine Mama hat mich wohl auch so gut wie nie mit Brei gefüttert. Hatte nur kein Wort dafür Zwinkerndes Smiley) Man kann sich das so vorstellen, dass die Karotten, Kartoffeln und Bananen nicht püriert werden sondern, im Fall des Gemüses, gegart, in etwa 10cm langen handlichen Stiften dem Baby vorgelegt werden. Nach einigen Wochen des “Kennenlernens”, in dem weniger die Stillung des Hungers als vielmehr das Ertasten, Erfahren und Spielen im Vordergrund steht, soll es das Baby dann analog zum höheren Nährstoffbedarf von alleine schaffen, größere Mengen an Nahrung zerkleinert in den Mund zu befördern – anstatt auf den Boden und seine Umgebung.

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So die Theorie Zwinkerndes Smiley 

Einwände wie die Verschluckungsgefahr werden durch anatomische Erklärungen (für mich) logisch entkräftet. Das Ziel ist ein selbstbestimmter, experimentierfreudigerer und weniger wählerischer Esser, der mehr auf seinen Bauch zu hören vermag als ein fremdgefüttertes Baby, das einen Löffel Brei nach dem anderen schluckt, bis das Gläschen leer und der Magen übervoll ist. (Natürlich ist das tendenziös, die Autoren des Buchs “Baby Led-Weaning” wollen ja ihren Weg als natürlicheren und empfehlenswerteren präsentieren). Faszinierend find ich die Theorie, dass Babys ganz genau zu wissen scheinen, welche Nährstoffe bzw. Nahrungsmittel sie aktuell benötigen – also im Winter z.B. mehr Kohlenhydrate für einen höheren Energieumsatz oder Fleisch und grünes Gemüse für mehr Eisen. Damit wären Babys von Natur aus klüger als die meisten Erwachsenen Zwinkerndes Smiley.
Begonnen werden soll mit BLW, sobald das Baby sicher sitzen kann und Interesse am Essen der Eltern zeigt, also etwa ab Ende des 6.Monats, wobei anfangs wie beim Breifüttern noch voll weiter gestillt werden soll.

Ich bin fasziniert von diesem Ansatz und war bin fest davon überzeugt, es auszuprobieren. Doch die geringe Gewichtszunahme und die Empfehlung meiner Hebamme, jetzt schon mit dem Zufüttern anzufangen, überrumpelten mich etwas und kollidierten mit meiner BLW-Planung. Fine sitzt noch nicht selbstständig und Interesse zeigt sie eher an meinem bunten Plastikteller als an meinem Essen

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So starteten wir vor einer Wochen den ersten Breiversuch. Zucchini:

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Brav schluckte sie etwa 1 EL jeweils pro Mahlzeit, aber ohne große Begeisterung oder Interesse. Und genau das gefällt mir nicht. Sie soll nicht mir zuliebe Brei essen, sie soll es selber wollen (Brei oder Fingerfood). Und sie soll eine bewusste Leidenschaft für Essen und Lebensmittel entwickeln, die nach meinem Gefühl eher durch BLW als durch Breifüttern entsteht. Wenn man einzelne Lebensmittel sehen, riechen, fühlen und einzeln schmecken kann ist das doch ein ganz anderes Erleben als Gemüsemischmasch in Breiform.

Trotzdem: Hätten wir in den letzten zwei Wochen durch eine Mischung von Abpumpen, Milchpimpen, etwas frühzeitigeres Stillen und ein Pulvermilchfläschchen täglich nicht geschafft, dass sie 300g zugelegt hat, hätte ich den Breiversuch energischer beibehalten. So seh ich unsere Chance, noch zwei bis vier Wochen breifrei abzuwarten und sie bewusster an unseren Mahlzeiten teilhaben zu lassen – denn mal ehrlich: wenn ich allein mit ihr bin, bin ich in letzter Zeit meist nur dann zum “Kochen” (= Brot schmieren oder maximal Grießbrei kochen) gekommen, wenn sie mittags ein bisschen geschlafen hat. Oder ich hab mir beim Spaziergang etwas auf die Hand geholt während sie schlief. Und abends still ich sie ins Bett während der Lieblingsmann das Essen bereitet, oder umgekehrt. Da kann sie nicht wirklich viel Interesse an unserem Essen entwickeln. Da wir beide aber BLW ausprobieren wollen, ist jetzt etwas mehr Bewusstsein unsererseits beim Essen erforderlich. Und vermutlich wird es dabei nicht bleiben, wenn wir wollen, dass Fine mit uns die gleichen Mahlzeiten einnimmt. Selbstverständlich weniger gesalzen, nicht zu scharf, gesund, ausgewogen – ich seh BLW als große Chance, unsere eigentlich eh schon recht gesunde Ernährung weiter zu verbessern.

Laut BLW verweigern Kinder übrigens die Lebensmittel, auf die sie eventuell eine Allergie entwickeln könnten. Und laut meiner Hebamme sieht man schon in Kindertagen, welches Lieblingsessen ein Kind dann lange (ein Leben lang?) beibehält. Ich liebe Honigbrot mit Butter drunter. Dass meine Mama mir das schon mit 6-7 Monaten in kleinen Würfeln gegeben hat, darf ich meiner Hebamme aber nicht erzählen, die schlägt dann immer die Hände überm Kopf zusammen Zwinkerndes Smiley Und trotzdem ist aus mir was geworden.

Vegane Schokomousse–Rezept

Ich hatte schon oft von Seidentofu und seiner schier grenzenlosen Anwendbarkeit in der vegetarischen und veganen Küche gehört. Als Rühreiersatz, als Quarkersatz… kurz und gut, ich wurde neugierig und so lag die Packung einige Zeit im Kühlschrank, bis ich mich ran getraut habe. Als erstes wagte ich mich an die veganen Blondies aus dem schon häufig erwähnten Cookies-Buch – mangels Pflanzendrink nur zu 99% vegan aber ich wette, mit Sojamilch statt echter Milch wären sie nicht weniger lecker geworden! Zwar ein klein bisschen zu lang im Ofen, aber aromatisch, leicht klebrig, nussig, kernig und schokoladig – und am nächsten Tag schon weg.

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Die restlichen 300g lagen dann ein paar Tage stiefkindlich im Kühlschrank, bis ich grad DIE Idee hatte: vegane Schokomousse. Ganz ehrlich, eine schönere Verwendung kann einer Sojabohne nicht widerfahren.

Vegane Mousse au Chocolat

  • 300g Seidentofu
  • 150g ziemlich dunkle Schokolade (ich hatte 70% und 81%, je zur Hälfte)
  • Vanillezucker, ca 1 EL oder nach Geschmack

Den Tofu in den Mixer werfen und geschmeidig pürieren. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und mit dem Vanillezucker auch in den Mixer geben. Noch einmal schön pürieren und probieren, ob der Zucker reicht. Entzückt feststellen, dass das unfassbar lecker ist. Die Mousse aus dem Mixer in eine Schüssel füllen und dabei jeden kleinen Rest aus dem Mixer rausholen. Kaltstellen.
Den Mixer auslecken, komplett, auch die Rillen des Dichtungsgummis und unter dem Messer (Vorsicht scharf!). Sich kurz über diesen Moment geringer Würde schämen, dann die Finger weiter abschlecken. Sich denken, dass vegan zu leben vielleicht gar nicht so übel sein könnte. Freuen.

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Veganes Blut geleckt–und noch ein Buch

Muahaha, ja, ich weiß, das Wortspiel im Titel ist schon etwas roh – aber es funktioniert anscheinend, Du liest den Artikel ja.

Nach meinem letzten Blogpost über mein ambivalentes Verhältnis zum veganen Lifestyle habe ich viel positives Feedback bekommen, was mich sehr gefreut hat. Noch mehr hat mich natürlich gefreut, dass das befürchtete Bashing ausgeblieben ist… Und das hat mich dazu gebracht, weiter über meine Ernährung nachzudenken, jetzt, da die Saat des schlechten Gewissens nun mal ausgebracht ist. Ich werde kein Vollblutveganer (gnihihi…), dazu bin ich zu bequem. Ich möchte auf eine passende Jeans nicht verzichten, weil Bestandteile tierischen Ursprungs darin Verwendung fanden. Außerdem liebe ich eine gepflegte Käseplatte, und Produkte wie Käseschmelz… lassen wir das. Aber ich stehe weiter zu meiner Einstellung, dass jeder noch so kleine Verzicht schon ein Gewinn für die Umwelt (Tierwelt, Menschenwelt) ist, vor allem, wenn er nicht auf Kosten des Geschmacks geschieht. Und es macht mir einfach großen Spaß, vegane Rezepte und Kochbücher zu lesen und festzustellen, dass eine ausgewogene vegane Ernährung meist genau das beinhaltet, was mir sowieso am besten schmeckt: frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte (vor allem Kichererbsen sind die unterschätzten kleinen Großartigkeiten der Küche!) und Getreideprodukte, das Ganze am besten exotisch und kreativ gewürzt. Außerdem find ich Tofu und Seitan ganz spannend und gar nicht mal so unlecker – höchstes fränkisches Kompliment. Wenn diese Rezepte dann am besten noch mit möglichst wenig teuren und schwer zu beziehenden Superzutaten auskommen – umso besser!

Meine neueste Errungenschaft ist das Kochbuch “Vegan zu Hause und unterwegs”.

Foto 14.04.14 21 41 56Wraps, Burger, Waffeln, Sandwiches – alles Dinge und Servierarten, die der Lieblingsmann und ich sowieso sehr gerne haben, praktisch für unterwegs (für meinen Traum vom Picknick an einem Fluss in der Fränkischen oder auf der Erba) aber auch toll für zu Hause vor dem Fernseher (jaaa, solange das Babymädchen noch nicht mit uns isst, gönnen wir uns dieses Laster weiterhin Zwinkerndes Smiley). Ich find die Zutatenlisten hier – anders als mancher Rezensent bei A*azon – jetzt nicht sooo umständlich. Wie auch schon beim Cookies Backbuch muss man einfach berücksichtigen, dass das Buch aus Amerika kommt und es dort einfach andere Zutaten gibt.* Dass freakige Zutaten wie Liquid Smoke schon seit längerem bei uns in der Küche stehen – Zufall. Ansonsten hilft Google, um festzustellen, dass es salzreduzierte Tamari sowie Ume Su (wasauchimmer) auch hierzulande bezahlbar gibt und z.B. über das örtliche Reformhaus bestellt werden kann. Ich denke, manches lässt sich einfach ersetzen (das typisch amerikanische flüssige Vanillearoma durch – vorsicht, echt extrem! – echte Vanilleschote) – oder einfach weglassen. Im seltensten Fall steht und fällt ein Rezept mit einer einzigen exotischen Zutat. Ausprobiert hab ich zwar noch nichts, aber das Buch ist schon mit zig Post-its gespickt und heute Abend wird es wohl die Tofu-Granatapfel-Taschen mit Spinat geben. Gab es die Tofu Granatapfeltaschen in leicht abgewandelter Form.

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Statt “normalem” Tofu hatte ich schon Räuchertofu, also konnte ich das Liquid Smoke weglassen. Ahornsirup war unbegreiflicherweise keiner im Haus (wie kann mir Pancake-Junkie das passieren?!), aber Cranberrysirup passte wunderbar. Und anstelle von Spinat oder Rucola hatten wir Eisbergsalat, der musste weg. Der Einfachheit halber hab ich Salat, Zwiebeln und klein gewürfelte Gurken gleich zusammenmischt und mit dem Dressing verrührt. So ließ es sich leichter in die Taschen füllen. Noch Tofu und Granatapfelkerne drauf und genießen (und die ständig runterfallenden Kerne suchen Zwinkerndes Smiley)

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Anschautipp!

Übrigens, ein sehr interessanter und untendenziöser Beitrag über Pflanzendrinks und was die alles können (ich sach nur: emulgieren, und nein, das ist nix Schweinisches) lief vor Kurzem bei Faszination Wissen im BR. Hier geht es zum Video. Und wer bei der Schokomousse hellhörig wird, möge bitte einfach den nächsten Blogpost lesen Zwinkerndes Smiley

*Bei den Cookies les ich das Rezept, nicke verständnisvoll und nehme dann statt des ganz ratzedunklen Spezialkakaos einfach Backkakao. Und statt des ganz fein gemahlenen, super special Weizenvollkornmehls einfach Weizenvollkornmehl. Dunkelbrauner Irgendwaszucker? Brauner Zucker. Extradunkler Reissirup? Dunkler Agavendicksaft (weil der eben grad im Reformhaus stand). Ihr versteht?

Von meinem zwiespältigen Verhältnis zum Vegan-Sein (inkl. Buchempfehlung)

Ich bin seit 18 Jahren Vegetarierin, also tatsächlich länger als mein halbes Leben. Und ich werde nicht wirklich warm mit VeganerInnen. Nicht mit veganer Ernährung an sich. Aber mit dem Forentroll-Veganer, der sich in schöner Regelmäßigkeit nach vorne drängelt und den spindeldürren Zeigefinger hebt. Besonders häufig tut er/sie sich z.B. bei Facebook-Seiten von Alnatura, Alverde etc. hervor, also bei Marken, die sich zwar Naturverbundenheit und –kosmetik auf ihre Fahnen geschrieben haben – aber eben nicht grundsätzlich vegan sind. Kaum wird also ein neues Produkt präsentiert, geht das “vegan?”  “vegan?”  “vegan?”-Geschrei(be) los. Ich stell mir das geräuschlich dann immer so vor wie die Möwen bei “Findet Nemo”: “meins? meins? meins?”. Und sobald die Firma dann (irgendwie kleinlaut, warum auch immer) zugibt (zugeben?), dass das Produkt leider (wieso?) nicht vegan sein, geht das Bashing los. Und gegen diese (vermutlich / hoffentlich wenigen) militanten Veganer hab ich was. Dogmatische Bessermenschen mit Missionierungsdrang. (Na dann mal los, haters.)

Und ich habe etwas gegen den aktuellen Vegan-Hype, getragen durch selbst ernannte Vegan-Päpste, die in ihren Kochbüchern auf fast jeder Seite zu sehen sind. Dieser Hype ist eine unheimliche Geldscheffelmaschinerie, die meiner Meinung nach auf falschen Versprechungen oder Annahmen fußt: Vegane Ernährung als Allheilmittel schlechthin. Alles scheint damit möglich zu sein: Gesünder, fitter, schöner, jünger, sexy, erfolgreich… Dabei sind vegane Austauschstoffe (veganer Käse z.B.) oft viel fetter als ihr tierisches Äquivalent.* Von gesünder kann also keine Rede sein, man kennt das ja von “Pudding-Vegetariern” also denen, die sich keine großen Gedanken um ausgewogene Ernährung machen sondern einfach die fleischlose Variante Junkfood nehmen. Eine wirklich ausgewogene vegane Ernährung ist sicher möglich – aber sehr (!) aufwändig und man muss sich gut informieren, wie Eiweiß, Eisen und sonstige Nähr- und Mineralstoffe tierischen Ursprungs durch geschickte Kombination von Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten ersetzt werden können. Ich denke, der Hype wird bald verebben – und was davon übrig bleiben wird sind einige stinkreiche Kochbuchautoren (DIESE macht vegane Ernährung in der Tat erfolg- und reich) und ein Haufen Mangelerscheinungen bei ihren Anhängern (da freut sich dann die Nahrungsergänzungsindustrie). Denn so einfach, wie sich der Verzicht auf tierische Produkte aller Art anhört, ist es nicht, wenn man sich ausgeglichen ernähren will (das ist schon bei vegetarischer Ernährung so).

Vegane Ernährung ist also nicht per se gesund und empfehlenswert, was sie aber ist – und da steig dann auch ich mit ein – sie ist Gewissens- und Moralsache und eigentlich (eiiiigentlich) das einzig Richtige, das ist mir schon klar. (Und nein, Herr Brecht, an diesem Punkt müssen wir endlich mal weg von der von Ihnen so oft zitierten Hierarchie von Fressen und Moral.) Und auch wenn ich (im Moment noch) nicht auf Eier, Milchkaffee und echten stinkigen Käse verzichten will, hab ich doch eine recht gute Phantasie und ein gut formbares Gewissen. Und Begriffe wie “schreddern” im Bezug auf Hahnenküken und “Muttergefühle” bei Kühen brauch ich gar nicht “in echt” zu sehen, um ein mehr als flaues Gefühl in der Magengegend zu bekommen.** In jener Gegend, wo nachmittags gern mit Ei und Butter gebackene Cookies mit einem leckeren Milchkaffee hinwandern. Weil Kekse sind schon was Tolles.

Noch toller sind also (ich find den Bogen schon gelungen) die veganen Cookies z.B. aus diesem Buch:

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(Die ganzen Klebezettelchen zeigen eindeutig, dass da mehr als nur zwei Rezepte ausprobiert werden wollen)

Und zwar aus dreierlei Gründen. Erstens: Ich verzichte – zumindest in diesem Fall (und der trat in den letzten Wochen schon dreimal ein) auf tierische Produkte. Und jedes nicht gegessene Ei find ich schon einen Gewinn. Zweitens: Ich kann endlich mal wieder Teig naschen weil kein rohes Ei drin ist (buaaah!). Und drittens (der wichtigste Grund): Sie sind unglaublich lecker!

Mein erster Versuch waren Cookies mit Banane, Haferflocken und Schokostückchen – sehr kernig, sehr lecker (sehr süß, ich sollte an meiner Gewohnheit festhalten, bei Rezepten IMMER die Zuckermenge zu reduzieren) – allerdings nehm ich das nächste Mal doch lieber das vorgeschlagene Rapsöl und nicht mehr Sonnenblumenöl. Das schmeckte doch arg hervor.

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Der zweite Versuch heute ist noch viel besser gelungen! Tahin-Limetten-Cookies. Das Rezept (so wie ich es gebacken hab) möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Die Mengenangaben sind – typisch amerikanisch – nicht in Gewicht sondern in Volumen angegeben, also Cups/Tassen. Ich hab mir neulich einen Satz Cup-Messlöffel gekauft, aber ich denke, jede Tasse mit etwa 240ml Fassungsvermögen tut hier ihren Dienst. Wenn ich was vom American Way of Baking gelernt hab, dann, dass es bei Cookies echt nicht auf jedes Gramm ankommt.

Tahin-Limetten-Cookies

  • 1/2 Tassse Kokosfett, (an)geschmolzen
  • knapp 1/2 Tasse weißer Zucker
  • knapp 1/4 Tasse brauner Zucker
  • 1/2 Tasse Tahin (sowas wie Zimmertemperatur Zwinkerndes Smiley)
  • 3 EL Mandelmilch (oder jeder andere “Pflanzendrink”, nach Bedarf etwas mehr)
  • abgeriebene Schale von 2 unbehandelten Limetten
  • etwas Bourbonvanille (ich nehm hier bequemerweise immer die gemahlene von Brecht)
  • 1 1/4 Tassen Weizenmehl
  • 2 EL Maisstärke
  • 1/2 TL Backpulver
  • 1/2 TL Salz (echt jetzt, nehmt wirklich soviel!)
  • knapp 1/4 Tasse Sesamkörner
  1. Backofen auf 180 Grad vorheizen und Backbleche mit Backpapier auslegen
  2. Kokosfett und Zucker schaumig schlagen
  3. Tahin, Mandelmilch, Limettenschale und Vanille unterrühren
  4. Mehl, Backpulver, Maisstärke und Salz mischen und unterrühren, dann das ganze mit den Händen nochmal kräftig verkneten und prüfen, ob der Teig geschmeidig genug ist, um daraus Kugeln zu formen. Sonst noch etwas Mandelmilch nachgeben
  5. Walnussgroße Kugeln formen und zwischen den Händen platt drücken. Eine Seite der platten Kugel in Sesam drücken und mit Sesam nach oben aufs Blech setzen (sie zerlaufen nicht so stark, trotzdem etwas Abstand halten).
  6. 10 bis 12 Minuten backen, aus dem Ofen nehmen und kurz auskühlen lassen. Dann auf einem Abkühlgitter ganz auskühlen lassen und genießen.

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Der Milchkaffee dazu ist natürlich nicht konsequent. Aber leider vertrag ich weder Soja- noch Mandel- oder Haselnussmilch im unerhitzten Zustand. Reis- und Hafermilch hab ich noch nicht ausprobiert. Im Moment beruhige ich mein Gewissen mit Biomilch, möglichst aus der Region. Mal sehen, wie es weiter gehen wird…


* Siehe da, kaum hab ich diesen Blogpost veröffentlicht, macht im Internet die Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg die Runde, die genau das herausgefunden hat: Vegane Lebensmittel sind oft zu salzig und auf keinen Fall automatisch besser. (Hier geht’s zum Bericht der VZHH)

** Isabel Bogdan hat einen lesenswerten (oben schon verlinkten) Blogpost zum Thema Veganismus verfasst und kommt zum für mich etwas schwierigen Schluss, dass humanes (kann man das im Zusammenhang mit Tieren überhaupt sagen?) Töten nach artgerechtem Leben moralisch möglich sei und dieses Fleisch dann zwar teuer aber moralisch essbar. Für Milch und Eier gelte das aber aus den von mir angerissenen Gründen nicht. Okay, ich unterschreib’s doch, aber Fleisch würd ich trotzdem nicht essen weil das für mich persönlich eine ganz andere Ebene ist. Warum ich Eier und Milch nicht auf diese Ebene stelle kann (mag?) ich grad noch nicht so ganz für mich definieren. Vermutlich weil ein Leben ohne Teilchen beim Bäcker und Pizza im Restaurant ein traurigeres sein könnte. Oder ein schwierigeres, sagen wir es so. Ihr seht, ich bewege mich.

Strampelbüx 1+2(a)

Schon seit Beginn meiner Schwangerschaft (oder auch schon vorher, wie in “wenn ich mal Kinder habe…”) hab ich mich drauf gefreut, dem Baby Kleidung zu nähen. Vor der Geburt hab ich es zwar nicht mehr geschafft – ich musste ja erst mal abwarten, welche Farben ihr stehen und ehrlich gesagt auch erst einmal rausfinden, welche Klamotten sich als praktisch erweisen würden. Aber jetzt hab ich mich endlich mal dran gewagt und bei der Gelegenheit nicht nur eine Overlockgarn-Großbestellung aufgegeben, sondern auch die dazugehörige Maschine fit gemacht (einfädeln, huiuiui). Und so entstanden in überraschend kurzer Zeit diese zwei wundervollen Strampelhosen nach dem Schnittmuster (Freebook) Frida von Milchmonster (zumindest der Grundschnitt).

Strampelbüx 1

Strampelbüx Nr.1, braun mit Wolken und aufgesetzten Schäfchen-Taschen

Strampelbüx 1 am Babymädchen

Und hier am lebenden (strampelnden) Objekt. Die Fußbündchen sind etwas knapp (große Füße…), das Bauchbündchen dafür wie immer reichlich weit. Mein kleiner Spargel <3 Die Hose ist Größe 62 und reicht dank umschlagbarer Bündchen unten noch ne ganze Zeit (hoffentlich!).

Strampelbüx 2

Strampelbüx Nr. 2 (diesmal ohne Taschen), dünner grauer Jersey mit Sternchen, Knieflicken aus Crossbones von Petra Laitner (den Stoff hab ich im Winter gewonnen Smiley ) und, ganz großes Kino, zum Wenden!

Strampelbüx 2aStrampelbüx Nr. 2a (auch ohne Taschen), Crossbones Stretch-Jersey in grau-pink.

Passt wunderbar und sieht einfach toll aus!

Strampelbüx 2 am Babymädchen

Hier ist eine ganz tolle Anleitung für die Wendehose – gerade bei den Fußbündchen ist das ein ziemliches Gefrickel und kurzzeitig kann es zu Hirnverknotung kommen – aber das Ergebnis lohnt sich absolut!

Die Hosen waren mit Sicherheit nicht die letzten, der Cordstoff für die nächste ist schon zugeschnitten und das eBook Frida werd ich mir auch noch für die anderen Größen besorgen. Und wenn ich genug Hosen genäht hab komm ich vielleicht auch endlich mal zu meinem Stillkleid – auch von Milchmonster (Martha) Smiley